
BOLZANO, DOLOMITES, ITALY46°32′28″ N, 11°38′41″ E · OKTOBER · ELOPEMENT
FIVE CLEAR MINUTES
Der Plan änderte sich ständig. Dann hielten fünf Minuten still.
Jana und Steffen hatten ihrer Hochzeit da schon einmal eine andere Form gegeben. Das Standesamt in Bozen und eine kleine Runde aus Familie und Freund:innen blieben. Der Teil, der wirklich nach ihnen klang, wanderte woanders hin: zwei Tage in den Bergen, eine Nacht auf dem Tierser Alpl und Eheversprechen, bei denen niemand zuhören würde.
Am Montagabend waren wir zusammen essen. Mein Hals kratzte ein bisschen, aber noch nicht genug, um zu wissen, was das bedeutete. Dienstagmorgen fühlte ich mich schlechter. Ich setzte eine Maske auf, ging zu den beiden ins Hotel und wir fingen dort und in Bozen an zu fotografieren.
Dann holte ich in einer Apotheke einen Covid-Test. Positiv.
Eingefangen hatte ich es mir ziemlich sicher am Samstag davor auf einer großen Hochzeit. Fuck große Hochzeiten, schätze ich.
Konnten wir das trotzdem sicher machen? Jana und Steffen sind beide Ärzt:innen, also war das keine Frage, die irgendwer leichtfertig beantwortet hat. Wir besprachen alles und bauten den Plan um, während der Tag längst lief. Das Tierser Alpl fiel aus. Geteilte Zimmer fielen aus. Aus zwei Tagen wurde einer. Im Auto und in der Seilbahn trugen sie Masken, fragten immer wieder, wie es mir ging, und gaben mir kein einziges Mal das Gefühl, der Typ zu sein, der gerade etwas ziemlich gründlich zerlegt hatte, auf das sie sich monatelang gefreut hatten.














Das Tierser Alpl hätte einen richtigen Aufstieg bedeutet, ein geteiltes Zimmer und eine Nacht weit oben in den Bergen. Mit einem positiven Test in meiner Tasche war davon nichts mehr besonders schlau.
Also entschieden wir uns für die Seiser Alm. Nicht als Trostpreis und auch nicht, weil irgendwer so tun wollte, als wäre die Änderung egal. Es war schlicht das, was möglich blieb, ohne leichtsinnig zu werden.
Jana und Steffen machten keine große Show daraus, wie unkompliziert sie waren. Sie stellten die sinnvollen Fragen, setzten ihre Masken auf und machten weiter. Das erzählte mir erheblich mehr über die beiden, als die ursprüngliche Route es je gekonnt hätte.




















Jana liebt die Dolomiten. Sie sagte oft genug „Dolomiti“, dass es irgendwann halb Feststellung und halb private kleine Feier war. Außerdem versuchte sie, die Kühe mit einem Wort anzulocken, das sie extra dafür gelernt hatte. Die Kühe blieben professionell unbeeindruckt.
Die Berge selbst waren zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Nicht kurz und auch nicht auf diese fotogene Art, bei der ein bisschen Wolke alles schön dramatisch macht. Der Grund, weshalb sie diesen Ort gewählt hatten, war schlicht nicht mehr zu sehen.
War das egal? Natürlich nicht. Sonst wäre die Entscheidung für diesen Ort ja bedeutungslos gewesen. Aber die Enttäuschung wurde nie zum Mittelpunkt des Tages. Sie gingen weiter, kümmerten sich umeinander und ließen genug Platz für das, was tatsächlich da war.















Die Eheversprechen waren der Teil, den sie aus dem Hochzeitstag herausgenommen und nur für sich behalten hatten. Wir hatten vorher darüber gesprochen. Dann veränderte dieser Tag so oft seine Form, dass sie darin fast auch noch untergegangen wären.
Zum Glück erinnerte Steffen sich.
Er machte Musik an. Nach dem Test, den Masken, der neuen Route und all den Entscheidungen, die plötzlich getroffen werden mussten, hatten die beiden endlich ein paar Minuten, in denen niemand etwas von ihnen brauchte.
Ich fotografierte den Anfang. Dann hörte ich eine Weile auf.
Klingt komisch, wenn das vom Fotografen kommt, ich weiß. Aber nur weil ich nah genug bin, etwas zu hören, gehört es noch lange nicht mir. Manche Worte sollten zwischen Jana und Steffen bleiben, ohne dass eine Kamera jede Sekunde zu Material macht. Also hörte ich zu, ließ den Abstand größer werden und nahm die Kamera wieder hoch, als es sich richtig anfühlte.
Auch das gehört zu meiner Arbeit. Zu wissen, wann ein Bild wichtig ist und wann die Menschen davor wichtiger sind.
















Und dann waren die Berge da.
Fünf Minuten, ungefähr. Lang genug, dass die Gipfel hinter ihnen auftauchten, während sie einander die Worte vorlasen, die sie geschrieben hatten. Lang genug, dass der vernünftige Teil meines Kopfes sagen konnte: Nebel bewegt sich und Zufälle passieren. Stimmt ja auch.
Es stimmt aber genauso, dass ich dort stand. Ich sah, wie die ganze Bergkette während der Eheversprechen auftauchte und kurz danach wieder verschwand. Ich weiß bis heute nicht genau, was ich damit anfangen soll, außer es genauso stehen zu lassen, wie es passiert ist.








In ihrem Testimonial schrieben sie später, es habe sich angefühlt, als wären sie mit einem Freund unterwegs gewesen. Ich muss oft daran denken.
Eigentlich sollte ich derjenige sein, der aufpasst, Ruhe reinbringt und sich um die Bilder kümmert. Stattdessen machten Jana und Steffen Platz für mich in ihrem Elopement, obwohl ich der Grund war, weshalb so vieles geändert werden musste.
Sie taten das, ohne aus ihrer Fürsorge eine Geschichte darüber zu machen, wie nett sie waren. Ich hab das nicht vergessen.
Jana und Steffen hatten für ihr Elopement in den Dolomiten zwei Tage geplant, inklusive einer Nacht auf dem Tierser Alpl und privaten Eheversprechen in den Bergen. Ein positiver Covid-Test änderte die Route, während wir in Bozen bereits fotografierten. Also bauten wir den Tag rund um die Seiser Alm neu. Dichter Nebel verdeckte die Gipfel fast während der gesamten Session. Mitten in ihren handgeschriebenen Eheversprechen erschienen die Dolomiten für ungefähr fünf Minuten und verschwanden kurz darauf wieder. Die Story verbindet dokumentarische Aufmerksamkeit mit bewusst gebauten Porträts, grafischen Stadtbildern und stillen Momenten in den Bergen.
"Von den Vorgesprächen bis zum zeitnah abgelieferten Ergebnis schafft es Bjørn, eine persönliche und vertraute Atmosphäre herzustellen. Dadurch hatten wir beim Shooting das Gefühl, mit einem Freund unterwegs zu sein. Die Bilder sind reine Kunst, übertreffen unsere Vorstellungen bei weitem, wecken alle Emotionen aus den Momenten in Zweisamkeit und werden für immer eine würdige Erinnerung an dieses Highlight in unserem Leben sein."
Jana + SteffenElopement in den Dolomiten
