Porträt von Bjørn Lexius

BJØRN LEXIUS

Ich fotografiere Menschen, ohne sie in die Vorstellung eines anderen zu pressen.

Elopements. Lovers Sessions. Intimate Portraits. Drei unterschiedliche Arten zu arbeiten, die mit derselben Sache beginnen: dem Menschen vor meiner Kamera wirklich Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich lebe in Hamburg und arbeite in ganz Europa.

TERENCE + KEVIN, KOPENHAGEN

Kevin und Terence gemeinsam in Kopenhagen

MANCHE PAARE FOTOGRAFIERT MAN. MANCHE PAARE BEZEUGT MAN.

Warum Sonnenaufgang? Weil die Stadt noch leer war. Genau darum ging es: ihnen ein Kopenhagen zu geben, das noch nicht zusah.

Terence und Kevin kamen aus Hongkong und Taiwan. Sie waren fast sieben Jahre zusammen, als sie nach Kopenhagen kamen, um zu heiraten. Als Paar öffentlich sichtbar zu sein, hatten sie bis dahin kaum erlebt. Die ersten Bilder an diesem Morgen waren vorsichtig. Echte Nähe, dicht am Körper gehalten.

In einem Innenhof in der Altstadt, als das Licht langsam den Stein wärmte, fotografierte ich, was vielleicht ihr erster Kuss in der Öffentlichkeit war. Ich kann es nicht beweisen. Ich habe nicht zweimal gefragt. Der Moment war leise und gleichzeitig riesig in dem, was er bedeutete.

Am nächsten Morgen weinten beide nach der Trauung. Sie bedankten sich mehrmals beim Standesbeamten. Daran denke ich bis heute. Nicht nur an den Kuss. An dieses Danke.

BJØRN + JANA, HAMBURG

Porträt von Bjørn Lexius

Dass wir zu zweit heiraten würden, stand fest, bevor die Pandemie irgendetwas für uns entschied.

Jana ist meine Frau. Sie ist introvertiert und steht nicht gern im Mittelpunkt. Als wir uns entschieden zu heiraten, sollte dieser Tag nie um einen Raum voller Menschen gebaut werden, die uns dabei zusahen. Es sollte von Anfang an um uns beide gehen.

Geplant waren ein Hotel, das Standesamt, eine Fotografin, Tattoos statt klassischer Ringe, gemeinsames Essen und ein ruhiger Abend. Dann kam der April 2020. Die Entscheidung blieb. Von unserem Ablauf blieb nicht viel übrig.

Wir gingen zum Standesamt. Unsere Fotografin durfte uns ausschließlich draußen fotografieren, also entstanden dort die Portraits. Kein Hotel. Keine Tattoos. Kein Essen außer Haus. Stattdessen ließen wir uns Burger nach Hause liefern.

Es war nicht der Tag, den wir geplant hatten. Aber der Grund dafür war noch da. Wir wollten genug Raum, um diesen Tag miteinander mitzubekommen. Dafür brauchten wir kein Publikum.

WARUM HAFENLIEBE

Hafenliebe war für mich ein Gefühl, bevor es der Name meiner Arbeit wurde.

Früher saß ich oft abends am Anleger am Hamburger Fischmarkt oder ganz in der Nähe und sah den Schiffen zu. Ich musste nicht wissen, wohin sie fuhren. Dass sie aufbrechen konnten, reichte.

Dafür steht der Hafen für mich bis heute. Aufbrechen können. Zurückkommen können. Und dazwischen die Freiheit haben, die eigenen Entscheidungen zu treffen.

Hafenliebe ist Freiheitsliebe.

Vulkanische Küste und Meer im Abendlicht

WIE ICH ARBEITE

Bjørn im Profil während einer Porträtsession

Zuerst passe ich auf. Regie gebe ich dann, wenn sie einem Bild oder euch hilft.

Bei einem Elopement folge ich dem, was passiert. Ich bleibe nah dran, schaue richtig hin und gebe manchmal einen klaren Hinweis: Dort ist das Licht besser. Hier ist es ruhiger. Geht einen halben Schritt näher zusammen. Ich manage weder die Menschen noch mache ich aus dem Tag eine Produktion.

Lovers Sessions und Intimate Portraits können mit einem losen Konzept, einem Moodboard oder einer konkreten Bildidee beginnen. Für Portraits baue ich einen Rahmen bewusst, manchmal sehr genau. Ich kann euch ins Licht stellen, euch eine Bewegung geben oder sagen, wohin ihr schauen sollt.

Danach lasse ich Raum. Die Anweisung ist vorbei, niemand wartet mehr auf die nächste, und plötzlich passiert etwas, das keiner von uns hätte planen können. Sehr oft liegt genau dort das Bild.

Ihr müsst vor meiner Kamera nicht wissen, was ihr tun sollt. Darum kümmere ich mich.

WAS HIER ZÄHLT

Ich lebe seit 2001 vegan. Hardcore und Punk waren lange Teil meines Lebens, bevor Fotografie mein Beruf wurde. Ich trinke nicht und nehme keine Drogen. Das ist keine Liste, mit der ich mich interessanter machen will. Es zeigt nur, dass ich einen großen Teil meines Lebens damit verbracht habe zu fragen, ob hinter einer Regel überhaupt ein guter Grund steckt.

Diese Frage nehme ich mit in meine Arbeit. Bedeutet eine Tradition euch etwas? Oder führt ihr sie auf, weil jemand anderes sie von euch erwartet? Mich interessiert eure Antwort. Nicht, ob sie von außen richtig aussieht.

Hafenliebe ist queer-affirmativ, feministisch und antifaschistisch. Ihr müsst weder meine Biografie teilen noch mit einem fertigen Plan hier ankommen. Aber ihr sollt wissen, dass der Mensch, den ihr liebt, der Körper, in dem ihr lebt, und das Leben, das ihr euch aufgebaut habt, hier nicht wie etwas behandelt werden, das korrigiert werden muss.

"Ich bin es gewohnt, vor der Kamera zu stehen, aber so entspannt habe ich mich noch nie gefühlt. Bjørn inszeniert nicht einfach Fotos, er schafft ein intimes Erlebnis."

Mark & FranckLovers Session in Kopenhagen

Erzählt mir von euch.

Nicht die perfekte Version. Erzählt mir, was sich nach euch anfühlt, was noch unklar ist und woran ihr immer wieder denken müsst.

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