
LAKOLK STRAND, RØMØ, DENMARK55°08′22.6″N 8°28′34.5″E · NOVEMBER · EDITORIAL STUDY
US VS THE WORLD
Eine Dankeschön-Session nach dem Workshop. Es gab nichts mehr zu unterrichten.
Rømø, 16. November 2017. Der Wind tat, was er dort eben tut, und machte jede einfache Idee schwieriger.
Anni und Daniel hatten an diesem Tag für einen meiner Workshops gemodelt. Die Session hier habe ich danach als Dankeschön mit ihnen fotografiert. Ich wollte, dass sie eine vollständige Session von mir bekommen und nicht nur die Handvoll Bilder, die entstehen, während alle anderen lernen.
Geheiratet hat an diesem Tag niemand. Wir haben eine Möglichkeit gebaut: Wie könnte ein Elopement an diesem Strand aussehen?
Die beiden sahen unfassbar lässig aus. Ich könnte jetzt so tun, als gäbe es dafür eine klügere Formulierung, aber die gibt es nicht. Anni hatte ein weißes Kleid von einer befreundeten Designerin dabei. Ob es für sie angefertigt oder nur ausgeliehen war, weiß ich nicht mehr. Und ich werde die Geschichte neun Jahre später nicht schöner machen, als sie ist. Die Socken, die Vans, Daniel komplett in Schwarz. Zusammen hatten sie etwas von Bonnie und Clyde. Weniger Verbrechen, mehr brutaler Wind.
Ich nannte die Strecke „Us vs the World“. Vielleicht ein großer Titel, aber optisch war es genau das. Zwei Menschen, die aussahen, als hätten sie ihre eigenen Regeln gemacht und keinen Grund, irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen.
Die Hochzeitsfotografie hat ziemlich viel aus dem Patriarchat geerbt und es dann zeitlos genannt. Man merkt es an den kleinen Entscheidungen. Wer Raum einnehmen darf. Wer unbequem aussehen darf. Wer bitte einfach nur schön bleiben soll.
Ich hatte kein Interesse daran, Anni kleiner zu machen. Sie engagiert sich in der Jugendarbeit und stärkt dort Mädchen feministisch. Das war mir wichtig, weil die Art, wie ich sie fotografieren wollte, kein ästhetischer Trick war. Das war längst da.
Daniel ist Musiker und hat in diesen Bildern seine eigene Präsenz. Ihr Raum zu geben bedeutete nicht, ihm welchen wegzunehmen. Das wäre dieselbe müde Hierarchie gewesen, nur mit vertauschten Namen.
Ein Teil davon war inszeniert. Natürlich war er das. Nach dem Workshop hatten wir Zeit, Ideen auszuprobieren, Menschen bewusst zu platzieren und auch mal falschzuliegen. Ich wollte kein Elopement vortäuschen. Ich wollte ein ehrliches Bild davon machen, wie eines aussehen könnte.




















Der Workshop war vorbei. Es gab nichts mehr zu unterrichten und genug Zeit, weiterzumachen.













Die Kälte blieb in den Bildern. Gut so. Ich würde sie heute noch nicht wärmer machen.
Auf dem letzten Bild gehen sie durch die Dünen zurück. Der Wind ist immer noch da.
Lakolk Strand, Rømø. Südlich der Hauptzufahrt zum Strand.
Diese Geschichte entstand am 16. November 2017 nach einem Workshop am Lakolk Strand auf Rømø. Anni und Daniel hatten dort gemodelt. Die vollständige Session danach war Bjørns Dankeschön an das echte Paar aus Oldenburg. An diesem Tag fand keine Hochzeit statt. Die Bilder fragen, wie ein Elopement an der dänischen Westküste aussehen könnte, wenn Kälte, Wind und der offene Strand nicht herauspoliert werden. Annis weißes Kleid, Socken und Vans treffen auf Daniels schwarze Kleidung und die leeren Dünen. Bewusst gebaute Porträts stehen neben beobachteten Momenten. Beide bekommen ihren eigenen Platz im Bild. Die Serie bleibt ehrliche Elopement-Inspiration aus Dänemark, keine erfundene Zeremonie.
