Petra und Roman küssen sich, während sie gemeinsam auf einem Surfboard im Meer sitzen.

SYDNEY, AUSTRALIA33°35′59.3″ S, 151°19′40.6″ E · MÄRZ · ELOPEMENT

PAST THE BREAK

Die Familien wussten vom Geburtstag. Die Surfboards gingen sie nichts an.

Roman hatte drei Jahre in Sydney gelebt. Als er Petra mit dorthin nahm, dachten ihre Familien, die Reise wäre zu seinem vierzigsten Geburtstag. Stimmte ja auch. Es fehlten nur die Traurednerin, die Surfboards und die Kleinigkeit, dass die beiden verheiratet zurückkommen wollten.

Am Abend vorher waren wir an einem anderen Strand. Dort musste noch niemand wissen, was am nächsten Morgen passieren würde. Petra und Roman hatten zwei Menschen eingeweiht, Romans frühere Mitbewohner. Sonst niemanden.

Warum so klein? Weil diese Hochzeit in Australien erst einmal nur ihnen gehören sollte. Erzählen konnten sie es später. Feiern auch. Ein halbes Jahr danach taten sie genau das, im eigenen Garten in der Schweiz.

Die Traurednerin hatte sie am Tag vorher gewarnt, dass morgens Haie nah ans Ufer kommen könnten. Ihr Rat war eindeutig: Dann bitte keine Zeremonie im Wasser.

Roman kannte dieses Meer. Also gingen Petra und er trotzdem raus, noch bevor die Traurednerin ankam. Noch keine Hochzeit. Erst einmal nur die beiden und der Teil des Morgens, für den sie sechzehntausend Kilometer weit gereist waren.

Haie kamen keine. Sollte man der Vollständigkeit halber erwähnen.

Vor der Zeremonie gab Petra Roman einen kleinen Wolf. Genäht, gestickt, irgendwie so. Ich sehe ihn auf den Bildern und kann trotzdem nicht sicher sagen, wie er gemacht war.

Ich weiß auch nicht, was dieser Wolf zwischen den beiden bedeutete. Also erfinde ich keine hübschere Antwort. Petra gab ihn Roman. Roman las, was dazugehörte. Danach hielten sie sich eine Weile fest.

Manches darf bei den beiden bleiben.

Die Trauung fand später statt, als die Traurednerin da war. Romans frühere Mitbewohner waren die einzigen Trauzeugen. Sie saßen nicht mit Petra und Roman draußen im offenen Wasser, sondern in einem Stone Pool am Ufer und versuchten, nah genug zu bleiben, um etwas zu hören.

Kam jedes Wort bei ihnen an? Vermutlich nicht. Die Bretter bewegten sich, das Wasser bewegte sich, und dem Meer war der Zeitplan sowieso scheißegal. Niemand brauchte eine Hochzeit, die sich wie eine normale Hochzeit benahm.

Petra und Roman kamen verheiratet zurück an den Strand. Sechs Monate später feierten sie mit allen anderen in der Schweiz. Beides hatte Platz. Nur eben nicht am selben Tag.

Dann kamen die Bretter zurück in den Van.

Petra und Romans Elopement in Sydney fand am Palm Beach an den Northern Beaches statt. Roman hatte drei Jahre in Sydney gelebt und wollte Petra den Ort zeigen, der ihm wichtig geworden war. Die beiden reisten aus der Schweiz an, hielten die Hochzeit vor ihren Familien geheim und sprachen ihre Eheversprechen auf Surfboards. Ihre einzigen Trauzeugen blieben in einem Stone Pool nah am Ufer, damit sie die Zeremonie hören konnten. Die dokumentarische und cineastische Elopement-Story erzählt vom Vorabend, der Vorbereitung am Van, der Trauung im Wasser und der Rückkehr an den Strand.

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