Jana und Steffen bei ihren privaten Gelübden, während die Dolomiten aus den Wolken auftauchen

Praktisch · 20. Juli 2026

WAS IST EIN ELOPEMENT?

Was ist ein Elopement und wann wird daraus eine kleine Hochzeit? Eine ehrliche Definition danach, für wen der Tag wirklich geplant wird.

EIN ELOPEMENT KANN NACH DER HOCHZEIT BEGINNEN

Als ich in Bozen zu Jana und Steffen kam, waren die beiden längst verheiratet. Die standesamtliche Trauung hatte an einem anderen Tag stattgefunden. Ursprünglich sollte ich genau diesen Teil fotografieren: Standesamt, Familie und Freunde, der offizielle Hochzeitstag.

In unseren Gesprächen gab ich ihnen eine kleine Hausaufgabe. Wie würde der Tag aussehen, wenn ich beim Standesamt gar nicht dabei wäre? Was würden sie machen, wenn Zeit keine Rolle spielte und sie den Tag komplett für sich planen könnten? Ihre Antwort führte uns in die Dolomiten. Aus der ursprünglichen Begleitung wurden gemeinsame Stunden in den Bergen und private Gelübde, bei denen niemand sonst zuhörte.

War das noch eine Hochzeit, obwohl der Papierkram schon erledigt war? Klar. War es ein Elopement? Für mich schon. Rechtlich waren sie bereits verheiratet. In den Bergen fand der Teil statt, den sie bewusst für sich gewählt hatten. Das ist wahrscheinlich der beste Einstieg in meine Definition. Wobei ich direkt zugeben muss, dass die Grenze danach ziemlich unscharf wird.

Kris und Ilya in einer Umarmung auf dem Hotelbett vor ihrem Elopement in Kopenhagen

WAS BEDEUTET ELOPEMENT HEUTE?

Früher bedeutete „to elope“, heimlich wegzulaufen und ohne Zustimmung der Familie zu heiraten. Heute wird der Begriff weiter gefasst. Ein Elopement kann Monate im Voraus geplant sein. Die Familie darf davon wissen und manchmal sind sogar ein paar Menschen dabei. Es kann im Standesamt, mitten in einer Stadt oder irgendwo draußen stattfinden. Der Ort allein macht daraus noch kein Elopement.

Für mich ist ein Elopement ein Hochzeitstag, der um die beiden Menschen gebaut wird, die heiraten. Nicht um ein Publikum. Meistens bedeutet das, dass das Paar allein ist. Nicht weil Einsamkeit den Tag echter machen würde, sondern weil dadurch viele Entscheidungen wegfallen, die automatisch entstehen, sobald andere Menschen versorgt werden müssen. Wo sitzen die Gäste? Was essen sie? Langweilt sich jemand? Schaffen alle den Weg? Wie lange können wir für Bilder verschwinden? Müssen wir den Plan ändern, weil jemand aus der Familie ihn nicht gut findet?

Das sind keine dummen Fragen. Wer Menschen einlädt, kümmert sich um sie. Für manche Paare ist genau das ein wichtiger Teil ihrer Hochzeit. Gleichzeitig verändert sich dadurch der Tag. Ein Elopement kehrt immer wieder zu einer anderen Frage zurück: Was ist euch beiden wichtig? Ob es am Ende so aussieht wie die Hochzeit von irgendwem sonst, ist ziemlich egal.

Ari lacht, während eine enge Freundin vor dem Elopement ihre Haare stylt

WIE VIELE GÄSTE KANN EIN ELOPEMENT HABEN?

Ich habe keine brauchbare Zahl dafür. Ich hätte gern eine, weil sich das Ganze damit wesentlich einfacher erklären ließe. Aber jede feste Grenze fühlt sich irgendwann willkürlich an. Vier Gäste machen aus einem Tag nicht automatisch ein Elopement. Zehn Gäste verwandeln ihn nicht schlagartig in etwas anderes. Eine Zahl klingt schön eindeutig, erklärt aber nicht, was während des Tages tatsächlich passiert.

Die bessere Frage ist, ob die Gäste Teil des Erlebnisses sind oder ob das Erlebnis um sie herum organisiert wird. Ari und Pia kamen nach siebzehn gemeinsamen Jahren nach Kopenhagen. Zwei Freundinnen waren am Hochzeitstag dabei. Sie waren Trauzeuginnen, halfen bei Haaren und Make-up und hielten während der Portraits Sachen fest. Sie gehörten zu diesem kleinen Kreis, ohne dass der Tag für sie veranstaltet wurde.

Niemand führte den Freundinnen etwas vor und es gab kein Programm, das sie beschäftigen sollte. Ihre Anwesenheit zog die Aufmerksamkeit nicht von Ari und Pia weg. Am nächsten Tag trafen wir uns zu einem eigenen Portrait-Tag wieder. Keine Zeremonie, keine Gäste, die irgendetwas brauchten. Dafür Kopenhagen im Winter und genug Zeit für Bilder, die dunkler, grafischer und ein bisschen weniger offensichtlich werden durften. Beide Tage gehörten zu demselben Elopement.

Und jetzt dieselbe Situation mit einem anderen Schwerpunkt: Die Route wird geändert, weil Gäste sie nicht schaffen. Das Timing richtet sich nach dem Catering. Es werden Beschäftigungen geplant, damit niemandem langweilig wird, und das Paar verbringt einen wesentlichen Teil des Tages damit, es allen recht zu machen. Ist das falsch? Überhaupt nicht. Vielleicht ist das genau die Feier, die sie wollen. Es ist einfach ein anderer Tag.

Kira und Jannick sitzen während ihrer standesamtlichen Trauung nebeneinander

ELOPEMENT ODER KLEINE HOCHZEIT: WAS ÄNDERT SICH WIRKLICH?

Ein Elopement ist nicht automatisch bedeutungsvoller als eine Hochzeit mit Gästen. Das wäre Quatsch. Manche Menschen lieben es, ihre engsten Leute zusammenzubringen. Sie ziehen Energie aus einem Raum voller Gespräche und kümmern sich gern um ihre Gäste. Für sie ist das keine lästige Pflicht, sondern genau der Grund für die Feier. Ich habe weder das Recht noch das Bedürfnis, ihnen zu erklären, welche Form von Hochzeit emotional wertvoller sein soll.

Der praktische Unterschied liegt in der Rolle, die das Paar an diesem Tag übernimmt. Sobald die beiden Gastgeber sind, gehören die Bedürfnisse anderer Menschen zur Struktur. Die Gäste sind angereist, haben sich vorbereitet, gewartet und diesen Tag freigehalten. Natürlich spielen sie dann eine Rolle. Bei einem Elopement muss das Paar diese Verantwortung den größten Teil des Tages nicht tragen. Die beiden können länger bleiben, früher gehen, essen, stehen bleiben, in schlechtes Wetter laufen oder eine Weile gar nichts tun, ohne sich zu fragen, was der Rest des Raumes gerade von ihnen erwartet.

Der Übergang zwischen beiden Formen ist schwammig. Damit kann ich leben. Begriffe helfen, solange sie verständlich machen, was jemand eigentlich möchte. Sie helfen nicht mehr, wenn ein Paar anfängt, seine Hochzeit so zu planen, dass sie möglichst sauber in die richtige Schublade passt. Der Unterschied zwischen einem Elopement und einer kleinen Hochzeit liegt darin, wer im Mittelpunkt der Planung steht. Eine weltweit gültige Gästezahl wird das nicht besser erklären.

Ari und Pia stoßen mit ihren beiden Freundinnen im Kopenhagener Rathaus an

BRAUCHT EIN ELOPEMENT EINE ZEREMONIE?

Nein. Ich habe standesamtliche Trauungen am selben Tag fotografiert, Paare begleitet, die den Papierkram vorher oder nachher erledigt haben, symbolische Zeremonien erlebt, private Gelübde ohne Trauredner gehört und Tage fotografiert, an denen es gar keine Zeremonie gab. Der rechtliche und der persönliche Moment müssen nicht am selben Tag stattfinden.

Welche Dokumente nötig sind, hängt vom Ort, vom Wohnsitz und den zuständigen Behörden ab. Manchmal ist der rechtliche Teil unkompliziert. Manchmal werden Heiratslizenz, Übersetzungen und Trauredner zu monatelangem Papierkram. Den bürokratischen Teil vom persönlich wichtigen Tag zu trennen, macht die Hochzeit nicht kleiner. Ihr könnt an einem Dienstag im Standesamt unterschreiben und euch die Gelübde später an einem anderen Ort sagen. Ihr könnt offiziell heiraten und trotzdem einen weiteren Tag nur für euch behalten. Ihr könnt auch entscheiden, dass eure Verbindung längst da ist und ihr für die Bilder kein zweites Ritual erfinden müsst.

Entscheidend ist nicht, ob alle vermeintlich richtigen Bestandteile einer Hochzeit vorkommen. Entscheidend ist, welche Bedeutung ihr dem Tag gebt. Das kann ich von außen nicht messen.

Jana und Steffen lesen sich ohne Trauredner private Gelübde vor

WAS PASSIERT AN EINEM ELOPEMENT-TAG?

Es gibt keinen Ablauf, der auf jedes Elopement passt. Ein Hafenliebe-Tag beginnt häufig morgens beim Fertigmachen. Von dort gehen wir gemeinsam in den Tag hinein, statt acht Stunden lang einen Portraittermin daraus zu machen. Vielleicht gibt es Frühstück, eine Fahrt, Warten, eine Zeremonie, private Worte, einen langen Weg, beschissenes Wetter, Essen oder einen Plan, der unterwegs auseinanderfällt. Acht Stunden sind für mich ziemlich normal. Nicht weil jede davon gefüllt werden muss, sondern weil Zeit verändert, wie sich der Tag anfühlt.

Irgendwann hört man auf, schon an den nächsten Programmpunkt zu denken. Das offensichtliche Bild darf entstehen, danach bleibt noch Zeit, ein zweites Mal hinzusehen. Eine Idee kann scheitern, ohne dass damit gleich der ganze Tag kaputt ist. Manche Elopements sind ruhig, manche körperlich anstrengend und andere finden mitten in einer Stadt voller Fremder statt. Manchmal verschwindet der Ort, für den alle angereist sind, einfach im Nebel.

Während Jana und Steffen sich ihre Gelübde sagten, kamen die Dolomiten für ungefähr fünf Minuten aus den Wolken und verschwanden kurz darauf wieder. Den Anfang habe ich fotografiert. Dann habe ich die Kamera für eine Weile heruntergenommen und ihnen mehr Abstand gegeben. Nur weil ich nah genug bin, um etwas zu hören, gehört es noch lange nicht mir. Dieser Abstand ist genauso wichtig wie alles, was vorher im Ablauf stand.

Ein Paar lacht gemeinsam während einer Bootsfahrt durch Venedig an seinem Elopement-TagKira und Jannick gehen nach Einbruch der Dunkelheit gemeinsam durch die Stadt

WAS MACHT EIN ELOPEMENT-FOTOGRAF EIGENTLICH?

Ein Elopement sollte nicht zu einem einzigen langen Fotoshooting werden. Gleichzeitig ist die Kamera sichtbarer, als viele Fotografen gern behaupten. Bei einer großen Hochzeit kann ich zwischen Gästen und Gesprächen verschwinden. Wenn dort nur zwei Menschen stehen, gibt es keinen Ort, an dem ich mich unsichtbar machen könnte. Ich bin Teil dieser menschlichen Situation. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob ihr mich bemerkt. Sie lautet, ob meine Anwesenheit euch das Gefühl gibt, etwas darstellen zu müssen.

Einen großen Teil des Tages beobachte ich, was ohnehin passiert. Ich muss ein Gespräch, ein stilles Essen oder einen plötzlichen Stimmungswechsel nicht unterbrechen, um eine sauberere Version davon herzustellen. Bei Portraits kann das anders sein. Ich suche das Licht aus, stelle euch an einen bestimmten Ort, gebe euch eine Aufgabe oder baue ein Bild ziemlich genau. Wenn ihr viele Portraits möchtet, nehme ich zwangsläufig mehr Einfluss auf den Tag.

Ich kann die visuelle Situation bauen. Eure Beziehung darin möchte ich nicht erfinden. Ein Elopement gibt uns Zeit für beides: dokumentarische Aufmerksamkeit und bewusst gestaltete Bilder, die nicht zufällig hätten entstehen können. Wie viel ich anleite, hängt davon ab, welchen Tag ihr wollt und wie viel davon ihr mit Portraits verbringen möchtet.

Ein bewusst gestaltetes Elopement-Porträt, gerahmt von Licht und toskanischem Stein

PASST EIN ELOPEMENT ZU EUCH?

Vielleicht. Wenn euch allein die Vorstellung müde macht, den größten Teil eures Hochzeitstages Gastgeber zu sein, könnte ein Elopement passen. Vielleicht fühlt sich die standesamtliche Trauung hauptsächlich nach Verwaltung an und ihr möchtet eurer Verbindung trotzdem einen eigenen Tag geben. Vielleicht sollen ein paar Menschen dabei sein, ohne dass daraus ein Programm für sie entsteht. Wenn das Zusammenbringen eurer Leute der Teil ist, auf den ihr euch am meisten freut, ist eine kleine oder große Hochzeit wahrscheinlich ehrlicher.

Es ist nicht mutig, ein Elopement zu wählen, das ihr eigentlich gar nicht wollt. Und es ist nicht oberflächlich, einen Raum voller Menschen zu wollen, die ihr liebt. Ihr müsst niemandem beweisen, dass eure Entscheidung persönlich genug ist. Gründe sind hilfreicher als Regeln. Die bessere Frage lautet nicht, ob euer Plan offiziell als Elopement durchgeht. Fragt euch, was davon übrig bliebe, wenn niemand sonst die Antwort absegnen müsste.

Ihr braucht keinen fertigen Plan, bevor ihr mir schreibt. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ein fertiger Plan der sinnvollste Anfang ist. Wenn ihr gerade überlegt, wie ihr heiraten möchtet, schaut euch die Elopement-Seite und die Geschichten an. Und dann erzählt mir, zu welchem Gedanken ihr immer wieder zurückkommt. Dort können wir anfangen.

Kris und Ilya ruhen gemeinsam am Rand einer stillen heißen Quelle in Island

Bereit, über eures zu reden?

Du musst nicht alles gelesen haben. Wenn hier etwas hilfreich war, reicht das.

Lass uns reden