Noah und Michèle umarmen sich in der Mitte der riesigen dunklen Mahalla-Halle.

BERLIN, GERMANY52°30'31"N 13°26'24"E · AUGUST · LOVERS SESSION

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Der Raum war riesig. Die beiden fanden sich darin immer wieder.

Michèle fragte Noah, was Noah da liest. Die beiden redeten kurz, dann ging Noah wieder. Keine Namen, keine Nummern. Heute nennen sie das Gay Panic, was ehrlich gesagt ein ziemlich beschissenes System ist, wenn man jemanden wiedersehen will.

Michèle suchte Noah anschließend auf Instagram und fand nichts. Ein paar Tage später folgte Noah ihr und likte einige Bilder. Michèle schrieb sofort. Dieser Teil des Plans funktionierte besser.

Ich kannte Michèle bereits. Wir trafen uns 2017 bei einem Workshop, den ich auf den Azoren gab. Acht Jahre später fragte sie mich, ob ich sie und Noah in Berlin fotografieren würde. Beide fotografieren selbst. Ich musste also niemandem vormachen, eine Kamera wäre neutral. Sobald sie im Raum ist, verändert sie etwas. Interessant wird es bei dem, was Menschen dir trotzdem zeigen.

Ich kam immer wieder auf etwas zurück, das eigentlich verdammt offensichtlich sein sollte: Menschen lieben Menschen.

Michèle liebt keine vereinfachte Version von Noah, zurechtgeschnitten auf das, womit die Welt besser klarkommt. Sie liebt Noah. Geschlechtliche Identität zählt, weil sie dazu gehört, wie ein Mensch lebt, sich bewegt und gesehen wird. Sie ist nicht die äußere Grenze dessen, was ein anderer Mensch lieben kann.

Vielleicht wusste ich das vorher schon. Nachdem ich die beiden zusammen erlebt hatte, verstand ich es anders.

Dann schaffte ich es am Kanal, mir ein Stück vom Zahn abzubrechen. Kurz danach versenkte ich mein iPhone im Wasser. Derselbe Abschnitt des Abends. Keine Ahnung, wie ich beides hinbekommen habe.

Noah und Michèle hatten Pizza. Ich hatte ein Zahnproblem und kein Telefon.

Ehrlich gesagt war das wahrscheinlich genug Bedeutung für einen Tag.

Noah und Michèles Lovers Session führte durch Orte, die längst zu ihrem jährlichen Berlin-Ritual gehören: die Industriehalle von Mahalla, ein privates Zimmer, Bücherregale, die Straßen rund um die PAIN-Wand und Pizza am Landwehrkanal. Die Bilder wechseln zwischen dokumentarischer Aufmerksamkeit und bewusst gebauten Porträts. Hartes Licht, Distanz und körperliche Nähe dürfen nebeneinander bestehen, ohne so zu tun, als wäre die Kamera nie da gewesen. Diese Geschichte zeigt, was bei cinematischer Paarfotografie in Berlin entstehen kann, wenn genug Zeit bleibt, um über die offensichtlichen Bilder hinauszugehen.

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