Zwei Figuren stehen auf einem Küstenfriedhof getrennt durch einen Grabstein und eiserne Kreuze.

LØKKEN, DENMARK57°22'26"N 9°43'08"E · MÄRZ · EDITORIAL STUDY

A KIND OF SILENCE

Niemand hatte jemanden verloren. Ich wollte trotzdem Bilder über Trauer machen.

Chris von Sturmsucht und ich gaben im März 2025 unseren See Feel Create Workshop bei Løkken. Er zeigte mir einen kleinen Friedhof an der Küste. Die beiden Menschen, die wir fotografierten, hatten schwarze Kleidung dabei. Der Wind war scheiße brutal. Mein erster Gedanke war Trauer.

Ich gab ihnen eine Situation. Eine Person sitzt auf einer Bank auf einem Friedhof und wartet auf die andere. Ich sagte nicht, wer gestorben war oder was dieser Verlust bedeuten sollte. Mich interessierte, was sie aus dem Raum zwischen diesen wenigen Informationen machen würden.

Diese Bilder dokumentieren keinen wirklichen Verlust. Ich habe die Situation während eines Workshops gebaut. Der Wind trieb ihnen die Tränen in die Augen und machte schon das Stillstehen anstrengend. Zwischen den Bildern lachten sie und hatten Spaß. Beides ist passiert. Das wegzulassen würde die Fotografien wahrhaftiger aussehen lassen, als sie sind.

Warum Trauer? Mein Vater starb 2007. Später habe ich Freund:innen verloren. Nichts davon war der bewusste Grund für diese Bilder. Ich sah den Friedhof, die schwarze Kleidung und den Sturm, und die Idee war einfach da. Aber Trauer bleibt nicht in dem Jahr, in dem jemand stirbt. Sie wird leiser, verändert ihre Form und taucht irgendwann wieder auf, ohne vorher zu fragen.

Und dann gibt es noch einen weniger dramatischen Teil, der wahrscheinlich genauso wichtig ist. Seit den späten Achtzigern höre ich The Cure und sehr viel Joy Division. Jahrelang hatte ich die Idee für ein Editorial im Kopf, das etwas von der dunklen Romantik aus The Crow übernimmt. Ich habe es nie fotografiert. Vielleicht lag davon noch etwas hinten in meinem Kopf, als Chris mir diesen Friedhof zeigte.

Wir zeigen Zuneigung gern, solange alle dabei lächeln. Trauer macht Menschen unsicher. Also verschieben wir sie in private Räume und behandeln sie wie etwas, das irgendwann abgeschlossen sein sollte. Ich glaube nicht, dass sie so funktioniert. Wenn jemand fehlt, verschwindet die Verbindung nicht. Die Lücke ist da, weil es diese Verbindung gab.

Danach habe ich hart ausgewählt. Das meiste Lachen verschwand aus der endgültigen Folge. Das war eine Entscheidung und kein Beweis dafür, dass sich dieser Tag so angefühlt hat, wie die Bilder aussehen.

Die Arbeit bedeutet mir noch immer etwas, weil Zuneigung darin schwer sein darf, ohne dass der Text ihr dieses Gewicht wieder abnimmt. Im letzten Bild stehen die beiden Figuren wieder getrennt. Ich weiß bis heute nicht, auf wen sie gewartet haben.

A Kind of Silence ist eine konzeptionelle fotografische Studie, die im März 2025 bei Løkken in Dänemark entstand. Bjørn entwickelte die Friedhofsszene während des See Feel Create Workshops, den er gemeinsam mit Chris von Sturmsucht gab. Die beiden nicht genannten Teilnehmenden erhielten eine offene, erfundene Situation über Warten und Verlust. Die Bilder dokumentieren keinen echten Trauerfall. Mit inszenierten Porträts, dem Küstenwetter und einer bewusst verdichteten Bildfolge untersucht die Arbeit, warum Trauer oft versteckt wird, während Freude stellvertretend für die ganze menschliche Zuneigung stehen soll.

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